Stevie's full of good intentions

Monday, September 03, 2007

Abschied von gestern

Vor kurzem habe ich erfahren, dass es jetzt Alexander Kluges "Sämtliche Kinofilme" auf DVD gibt (bei zweitausendeins). Da musste ich natürlich zuschlagen. Letzte Woche war dann die Freude groß, als ich endlich das Paket in der Packstation abholen konnte.

Am Samstagabend begann unsere Kluge-Retrospektive mit "Abschied von gestern" aus dem Jahre 1966. Für mich war der Film in zweifacher Hinsicht eine Zeitreise. Einerseits habe ich - aber das ist lange her - eigentlich alle Kluge-Filme schon einmal gesehen (ja, auch den low-budget-sci-fi-trash ...). Und dann zeigt der Film das Deutschland der sechziger Jahre. Ich selber (*1967) kenne diese Zeit nicht aus eigener Anschauung. Aber ich denke, dass ich mir das trotzdem ganz gut vorstellen kann.

"Abschied von gestern" ist ein typischer Erstling. Viele Elemente des späteren Werks sind bereits angedeutet. Vieles ist improvisiert, aber gerade deshalb besonders authentisch. Vieles ist noch nicht ausgereift. Da denkt man, dass der erfahrene Kluge zum jungen Kluge gesagt hätte: "Mach das doch besser so und so".

Außerdem fiel mir sofort auf, dass Kollege Rechtsanwalt Kluge Jura studiert hat. "Die Einverleibung ist die intensivste Form der Aneignung". Tja, wer würde da widersprechen?

Dennoch ist es ein großartiger Film. Nicht umsonst hat Kluge für "Abschied von gestern" den Silbernen Löwen bekommen! Und den kriegt man nicht einfach für irgendeinen Schund.

Ich freu mich schon auf "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos".

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Thursday, February 22, 2007

Die Übersetzung von "Zettels Traum"

Vor ein paar Tagen, als Alexander Kluge seinen 75. Geburtstag feierte, gab es auch ein Post von Fanny. Da wurde mir bewusst, dass einige von Kluges Werken ins Englische übersetzt worden sind (und wahrscheinlich auch noch in andere Sprachen). Warum auch nicht? Schließlich ist er einer der wichtigsten Autoren einer großen Kulturnation!

Über die - wie Kluge sagen würde - Relaisstation "Finnegans Wake" kamen wir gemeinsam zu der Frage, ob es denn eine Übersetzung von "Zettels Traum" gebe. Siehe da: This is the case! Die Übersetzung hat den Titel "Bottom's dream" und ist von John E. Woods. Ich fragte mich allerdings gleich, ob dies der Doppelbödigkeit des Titels gerecht würde.

Sei es wie es sei: Ich bin finster entschlossen, den "Traum" zu lesen. "Finnegans Wake" kann ich nicht lesen. Aber den "Traum". Dies wiederum können nur verhältnismäßig wenige. Er liegt schon oben neben meinem Bett.

Ach, noch was: Wenn Sie die Themen "Finnegans Wake" und Arno Schmidt interessieren:
http://www.literatur-live.de/salon/joyce.htm

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Wednesday, February 14, 2007

Alexander Kluge wird heute 75

und als Geburtstagsgeschenk gibt es ein neues Buch: "Geschichten vom Kino". Musste ich mir natürlich gleich besorgen.

Zunächst aber: Herzlichen Glückwunsch von Kollege zu Kollege und vom Leser an der Autor. Auch wenn ich selbstverständlich nicht alles verstanden habe (wer hat das schon ?), durfte ich des Öfteren zu Gast sein in Kluges Denkwerkstatt. Ich erinnere mich, dass ich sogar die sehr seltsamen Science-Fiction-Filme aus den frühen siebziger Jahren ("Der große Verhau") gesehen habe. Und wer kann das schon von sich behaupten ?

Egal: Alles Gute und vielen Dank für Ihr neues Buch, Herr Kluge !

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Sunday, January 28, 2007

"Tür an Tür mit einem anderen Leben" und "Die Lücke, die der Teufel lässt"

In den letzten Jahren hat Alexander Kluge "Tür an Tür mit einem anderen Leben" und "Die Lücke, die der Teufel lässt" veröffentlicht.

Inhalt dieser Bücher sind Sammlungen von Geschichten. Aber was für welche ! Kluge liefert keine abgeschlossenen, "runden" Geschichten, sondern nur das Rohmaterial. Seine Geschichten sind Anstöße und Anregungen, selbst weiterzudenken. Teilweise wird das noch forciert, indem nach der Geschichte ein aufgezeichneter Dialog folgt (wer ihn führt, bleibt unklar).

Und erst die Themen ! Es ist eine wahre Fundgrube im Vergleich zu dem Schrott, den man sonst immer vorgesetzt bekommt ! Mir gefallen z.B. die "Lokomotiven im Weltbrand" sehr gut. Da beschreibt er u.a. wie während des 1. Weltkriegs zwei Eisenbahnunglücke stattfinden. Die Zahl der Opfer ist gering im Vergleich zu den Gefallenen an der Front. Dennoch wurden beide Unfälle weit mehr beachtet.

Natürlich sind es viele "Kluge-Themen": Revolution, Krieg. Und auch sehr persönliche Themen (seine Geburtsstadt Halberstadt am Harz, sein Vater): Aber auch das kann sehr interessant sein, wenn er z.B. überlegt, wie sein Vater an einem Abend im Jahre 1932 zufällig Walter Benjamin getroffen hätte.

Also: Wenn Sie einmal ein paar richtig interessante Texte lesen wollen und Lust haben, selbst weiterzudenken ...

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